Traumasensibilität

Traumatisierung ist in der Gesellschaft noch immer ein angstbesetzter, oft tabuisierter Begriff. Schaut man sich die Definition eines (psychischen) Traumas an, stellt man jedoch fest, dass der überwiegende Teil der Menschen in der einen oder anderen Form traumatische Erfahrungen gemacht haben wird.  Die Ursachen von Traumata sind dabei breit gefächert. Expert*innen gehen davon aus, dass ca. 75% aller Menschen mindestens einmal in ihrem Leben eine plötzliche, lebensbedrohliche seelische Verletzung erleiden. Glücklicherweise sorgen bei den meisten Menschen die eigenen Selbstheilungskräfte dafür, dass die sogenannte „akute Belastungsreaktion“ abklingt.

Im Alter greifen entwickelte Bewältigungsstrategien (wie z.B. Sport oder viel Arbeit) häufig aber nicht mehr. Dazu kommt, dass viele Menschen in der letzten Lebensphase beginnen, über ihr Leben nachzudenken. Verdrängte Ereignisse können dadurch wieder „hochkommen“. Hinzu kommen im Alter neue traumatische Erlebnisse z.B. aufgrund von Krankheit, Verlust, Verlassenheit oder Gewalterfahrungen. Durch aktuelle Ohnmachtssituationen kann es zu Erinnerungen an die früher erlebten Traumata kommen. Hier spricht man von Trauma-Aktivierungen bzw. von Re-Traumatisierungen. 

Ein traumasensibler Umgang erfordert Grundkenntnisse rund um das Thema Trauma, mögliche Ursachen und Folgen, um die Auswirkungen vergangener und aktueller traumatischer Erfahrungen auf Lebensentscheidungen, die Entwicklung von Bewältigungsstrategien und nicht zuletzt das aktuelle Erleben zu verstehen. Darüber hinaus erfordert ein traumasensibler Umgang ein Verständnis von individuellen, kollektiven, kulturellen und geschlechtsspezifischen Gewalterlebnissen und deren Auswirkungen, um bestimmte Verhaltensweisen richtig deuten zu können.

Downloads

Traumasensible Angebote – Alle sind angesprochen

  • Traumasensible Angebote
    Bei traumasensiblen Angeboten geht es darum, ein Verständnis dafür zu entwickeln, welchen prägenden Charakter vergangene und aktuelle traumatische Erfahrungen für Lebensentscheidungen, die Entwicklung von Bewältigungsstrategien und nicht zuletzt das aktuelle Erleben haben können. Es geht darum zu hinterfragen, ob es sich bei Verhaltensweisen um Strategien der Traumabewältigung oder sogar um eine Re-Traumatisierung handelt. Darüber hinaus ist es wichtig, keine neuen traumatischen Situationen entstehen zu lassen.
    Traumasensible Angebote (PDF), 140 KB

Anforderungen für traumasensibles Wohnen

  • Anforderungen für traumasensibles Wohnen
    Das Ziel traumasensibler Wohnformen ist es, dass die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem Wohnen und der direkten Umgebung des Hauses sicher sind, sich wohl fühlen, sich so autonom wie möglich bewegen können, in ihrer Selbständigkeit unterstützt bzw. gefördert sind, die Unterstützung bekommen, die sie benötigen, Kontrolle und Entscheidungsmöglichkeiten/Mitspracherecht zur Gestaltung haben.
    Anforderungen für traumasensibles Wohnen (PDF), 249 KB

Grundlagen traumasensiblen Umgangs

  • Grundlagen traumasensiblen Umgangs
    Traumasensibler Umgang bedeutet, dass – unabhängig von der primären (Versorgungs-) Aufgabe – wesentliche Grundprinzipien des Umganges mit Personen berücksichtigt werden, die möglicherweise Traumata erlebt haben und/oder Personen vor (erneuten) Traumata zu schützen bzw. sie darin zu begleiten. So wird dafür gesorgt, dass die Angebote der Unterstützung, Begleitung, Versorgung, Pflege, Diagnostik, Beratung und Therapie besser an die Sicherheitsbedürfnisse der alten oder hilfebedürftigen Menschen angepasst werden. Dies setzt ein Verständnis von den sowohl kollektiven, als auch individuellen, kulturellen und geschlechtsspezifischen Ursachen und den Auswirkungen traumatischer Erfahrungen voraus.
    Grundlagen traumasensiblen Umgangs (PDF), 53 KB

Checkliste traumasensibles Personal

  • Checkliste traumasensibles Personal
    Die Qualität der Versorgung ist entscheidend abhängig von den Kompetenzen der Beschäftigten in der Pflege und Betreuung im Umgang mit traumatisierten Bewohnerinnen und Bewohnern. Die vorliegende Checkliste zeigt wichtige Kompetenzbereiche auf.
    Checkliste traumasensibles Personal (PDF), 427 KB

Traumasensibler Umgang mit älteren Migrantinnen und Migranten

  • Traumasensibler Umgang mit älteren Migrantinnen und Migranten
    Ziel eines traumasensiblen Umgangs ist es, Sicherheit zu schaffen. Es geht darum, den alten Frauen und Männern soviel Sicherheit, Autonomie und Kontrolle zu geben, zu ermöglichen und zu erhalten, wie es eben geht. Traumasensibler Umgang bedeutet daher immer auch ein achtsames Miteinander. Schaut man sich mögliche Ursachen für psychische Traumatisierungen an, so stellt man fest, dass insbesondere die türkischen Zuwanderinnen und Zuwanderer der ersten Generation mit vielen dieser Faktoren konfrontiert waren.
    Traumasensibler Umgang mit älteren Migrantinnen und Migranten (PDF), 198 KB

Traumasensibler Umgang – Bedarfe von Menschen mit Behinderung

  • Traumasensibler Umgang – Bedarfe von Menschen mit Behinderung
    Studien zeigen, dass Menschen mit Behinderung wesentlich häufiger mit traumatischen Erlebnissen konfrontiert werden als Menschen ohne Behinderung. Die Ursachen hierfür sind breit gefächert und können sowohl aus der Behinderung an sich als auch aus umweltbedingten Risikofaktoren resultieren. Beschäftigte in der Behindertenhilfe sollten daher in der Lage sein, Traumatisierungen zu erkennen und die Betroffenen adäquat zu unterstützen.
    Traumasensibler Umgang – Bedarfe von Menschen mit Behinderung (PDF), 162 KB

Workshop „Traumasensibler Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen“